Ein bunter Teppich des Segens

Kufstein1Der Herbst ist wie der Frühling ein guter Maler, er färbt unscheinbare Blätter bunt oder taucht sie in leuchtendes Gold. Auch die Ernte kündigt sich an, Früchte sind gereift und laden zum Genuss ein. Und doch ist der Herbst für viele eine Zeit depressiver Verstimmung. Woran mag das liegen? Erinnert das Fallen der Blätter zu sehr an die Vergänglichkeit, daran, dass wieder ein Jahr dem Ende zugeht und sich vielleicht Erwartungen des Frühlings und des Sommers nicht erfüllt haben? Unser Leben gleicht ja wirklich in vielem den Jahreszeiten. Im Herbst unseres Lebens möchten wir gerne Früchte sehen, dass unser Mühen und Sorgen sinnvoll war, dass das, was herauskommt, Zukunft hat, uns sozusagen „verewigt“. Allzu oft sehen wir mehr die fallenden Blätter als den weichen Teppich, den sie entstehen lassen. Das, was uns nicht oder nicht ganz gelungen ist, verstellt uns den Blick auf das, was sich auf den nächsten Frühling vorbereitet. Vielleicht ist diese Zeit auch eine Frage an uns, was in uns sich nicht entfalten durfte, was wir dem Terminkalender geopfert haben und welche kostbaren Beziehungen eingeschlafen sind, weil wir uns keine Zeit für sie genommen haben. Im Gespräch können wir helfen, Weichen zu stellen, unseren „Tagen mehr Leben zu geben“, unser Potential an Liebe besser auszuschöpfen, den Menschen, die mit uns unterwegs sind, Angehörigen, Freunden, jungen und alten Menschen, mit denen wir verbunden sind, deutlicher erkennen zu geben, wie wertvoll sie uns sind, sozusagen aus den fallenden Blättern unseres Lebens einen Laubteppich des Segens zu machen für uns und alle.
(Sr. Christine Koretic)