„Liebe deine Stadt“

Dies war das Thema der heurigen Jahrestagung der citypastoralen Einrichtungen Österreichs. Vom 8. – 9. März trafen sich im Priesterseminar Linz 30 VertreterInnen, darunter Brigitte Blassnig und ich von der Gesprächsoase Innsbruck.

Unter dem Leitmotiv „Liebe deine Stadt“ des Aktions- und Konzeptkünstlers Merlin Bauer bot die diesjährige Jahrestagung spirituelle, theologische und soziologische Impulse an, mit dem Ziel, die eigene Stadt aufmerksamer wahrzunehmen und mit neuen Augen zu sehen.

Nach einem interessanten Austausch meditierten wir die biblische Lehr-Erzählung im Buch Jona: So weit und herausfordernd der Weg ins Unbekannte auch sein mag, sind und bleiben die Menschen – gerade auch in der Stadt Ninive – jene, denen Gott ohne Wenn und Aber zugewandt bleibt. (Vgl. den Rückblick von Monika Udeani, Referentin für Citypastoral der Diözese Linz)

Am zweiten Tag hörten wir ein Referat von Gerold Lehner, Superintendent der evangelischen Kirche A.B. in Oberösterreich. Er griff den zweifachen Auftrag an Kirche in der Stadt von Margit Eckholt, Osnabrück, auf und erweiterte ihn. Die Kirche möge die Stadt zur Bekehrung aufrufen, „den Finger in die Wunde der Missstände“ legen und die Stimme erheben, sich für die an den Rand Gedrängten einsetzen. Gleichermaßen möge sich die Kirche ihrerseits zur Stadt bekehren und erste Hörerin ihres Rufes zur Umkehr sein. Damit Menschen sich in einer multikulturellen Stadt einander zuwenden, müssen wir unsere eigenen Begrenzungen wahrnehmen und akzeptieren…über den Schmerz gelangen wir zur Sympathie für die Anderen. Der Weg der Kirche zu den Menschen geht über die Anerkennung unserer eigenen Entfremdung. Nicht die starke Kirche ist gefragt, sondern die schwache, es geht um Ehrlichkeit und Begegnung, nicht um Programme. Die Rolle, die wir in der Stadt spielen, ist nicht zu unterschätzen. Citypastoral – niederschwellig und unverbindlich – ist ein „Andersort“. Wichtig sind die Beziehungen, das Interesse für die Menschen, nicht die Großveranstaltungen.

Diese Haltung der Kommunikation auf Augenhöhe war schon am Nachmittag gefragt, beim „Stadt erkunden“ in vier Workshops. Es gab Gelegenheit, mit PassantInnen an der Landstraße oder mit KleinunternehmerInnen in der Innenstadt ins Gespräch zu kommen, den Kirchenraum der Ursulinenkirche auf sich wirken zu lassen oder die Linzer Innenstadt gezielt zu begehen und zu beobachten.Der Kehrvers „Ich wünsch‘ dir tiefen Frieden, du Stadt in der wir leben, dass du Heimat bist den Menschen, die da kommen, geh’n und sind“ begleitete uns durch die Tagung und zurück in unsere Städte und citypastoralen Einrichtungen.

Sr. Irma Maria Kuenzer