Eine Stunde in der Gesprächsoase

Vielleicht erspart sie einige sorgenvolle Stunden!

Die meisten von uns kennen das bedrückende Gefühl nur allzu gut: Es gibt da ein ganz bestimmtes Problem, das einen immer wieder beschäftigt. Untertags denkt man flüchtig daran. In der Nacht jedoch, wenn man wach liegt, bewegen sich die Gedanken im Kreis, ohne dass einem ein gangbarer Weg einfällt. Wenn man dann morgens endlich aufsteht fühlt man sich müde und zerschlagen. Und der Lösung des Problems ist man trotz einer ruhelosen Nacht kaum nähergekommen. Das kennen wir alle. Manchmal frägt man sich im hellen Licht des Morgens, was denn an diesem Problem wirklich dran ist. Denn zuweilen erscheint es plötzlich, bei Tag besehen, lösbar. Es ist auch gut so, denn offensichtlich sind wir in diesem Fall ohne Hilfe imstande, unser Problem selbst zu lösen. Der Morgen ist klüger, als der Abend – sagt schon eine alte Weisheit.

Was aber, wenn uns dazu untertags, weder vorgestern, noch gestern, noch heute etwas einfällt? Wenn aus einem kleinen Problem in unserer eigenen Wahrnehmung plötzlich ein großes bedrückendes wird? Ein richtiger Berg von einem Problem, der uns ängstigt und dem wir ratlos gegenüberstehen, ohne dass sich uns ein Ausweg zeigt. Wie gut, wenn man da einen Menschen hat, dem man vertraut, mit dem man das alles besprechen – ausreden – kann. Schon deswegen, weil man dabei automatisch bemüht ist, seine Sorgen im Gespräch so darzustellen, dass sich dieser Mensch, dem man vertraut, von unserem Problem ein Bild machen kann. Indem man ihm ausführlich darlegt, was bedrückt oder auch ängstigt, sieht man selbst manchmal Dinge, die man vorher übersehen hatte. Weil sich zuvor das Denken, behindert durch Sorgen oder Ängste, im Kreis gedreht und mögliche Lösungsansätze blockiert hatte. .

Was ist jedoch, wenn man niemanden hat, mit dem man reden kann? Was ist, wenn gerade der Partner, die Partnerin, der Freund, Anlass zu genau der Sorge ist, die einen bedrückt und die einen nicht mehr loslässt? Wenn man Angst hat, mit einem Gespräch eine Beziehung, die man schätzt, zu belasten oder gar zu zerstören? Solche Dinge mit einem wildfremden Menschen zu besprechen ist schwierig, das wissen wir alle. Man muss dazu schon absolut sicher sein, dass nichts von dem, was besprochen wird, anderen Menschen zu Ohren kommt. Denn wie oft scheut man sich, Dinge anzusprechen, für die man sich aufgrund seiner Lebensgeschichte, seiner Werthaltungen und seiner bisherigen Erfahrungen schämt – ob mit Recht sei dahingestellt. Man fürchtet, getadelt, missverstanden,nicht ernstgenommen, sogar ausgelacht zu werden.

Das wissen wir in der Gesprächsoase und bemühen uns, unter dem Siegel der vollen Vertraulichkeit unseren Gästen zuzuhören. Vorerst nur zuzuhören, ohne vorschnell zu urteilen – oder gar zu verurteilen! Dann aber gemeinsam nach Lösungen oder Auswegen zu suchen. Und dadurch mitzuhelfen dass unsere Gäste ihre Sorgen und Probleme vielleicht doch aus einer anderen Sicht, mit mehr Selbstvertrauen und weniger Ängsten sehen und vielleicht sogar lösen können. Wir, das sind qualifizierte Berater mit mehrjähriger Erfahrung und als solche immer zu voller Verschwiegenheit verpflichtet. Wir betrachten uns als Anlaufstelle, die allen offensteht – kostenlos – die mit Problemen zu uns kommen. Wir wissen, dass wir keine Patentrezepte anbieten können. Aber wir hören zu! Allen, die zu uns kommen, auch denen, die auf der Welt sonst niemanden mehr haben, der ihnen zuhört: Aufmerksam, wohlwollend und bemüht, zusammen mit unseren Gästen Wege zu erschließen, die vielleicht vorher nicht sichtbar waren. Oder einfach nur zuzuhören, wenn jemand endlich einmal reden will.

Mag. phil. Bernward Pichl, ehem. Geschäftsinhaber, Psychologe, ea. Mitarbeiter in der Gesprächsoase Innsbruck.
Artikel erschienen: Kirche Informiert, Innsbruck, Mai 2008, Jg., .

 

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