Geborgenheit und Zeit

marksteinerIm Rahmen der Langen Nacht der Kirchen, hielt Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Marksteiner im Clemenssaal in der Maximilianstraße einen Vortrag zum Thema „Ein gelungenes Leben. Was ist den Menschen am Ende der Tage wichtig?“
Es ist wohl ein Thema von großer Brisanz und ein Thema, das nicht nur jeden Einzelnen zutiefst persönlich betrifft. Menschen in helfenden Berufen, in Beratungsstellen, in seelsorglichen Einrichtungen und überall dort, wo man Menschen in Leid- und Notsituationen antrifft, stellt sich diese Frage immer wieder.
Es war uns möglich, Professor Marksteiner in diesem Rahmen ein paar Fragen zu stellen, auf die er kurz, aber prägnant antwortete:

Worin sehen Sie persönlich die aktuell größte gesellschaftliche Herausforderung für die psychische Gesundheit/Krankheit des Menschen unserer Zeit?
Der Mensch steht immer in Wechselwirkung mit seiner Umgebung. Die psychische Gesundheit ist geprägt durch das innere Empfinden sowie durch den Austausch mit anderen Menschen. Die größte Herausforderung besteht darin, die Interaktion zwischen den Menschen gut zu gestalten.

Worin sehen Sie den hauptsächlichen Sinn in Ihrer Arbeit als Psychiater und Leiter der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie und Psychotherapie A am LKH Hall, und welchen Leitsatz verfolgen Sie in Ihrer Arbeit?
Der Sinn besteht darin, Menschen in persönlich schwierigen Situationen Hilfestellungen zu geben. Ursachen für psychische Störungen können vielfältig sein. Eine Aufgabe meiner Abteilung sehe ich darin, den Patienten die bestmögliche Therapie anzubieten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie schwierige Situationen bewältigt werden können.

Welchen Stellenwert haben für Sie, Herr Professor, seelsorgliche Einrichtungen und Orte wie zum Beispiel die Gesprächsoase etc. in unserer Zeit?
Religion ist für viele Menschen eine Orientierung und wesentliche Stütze im Leben. Seelsorgliche Einrichtungen sind Orte, wo suchende Menschen Geborgenheit und Zeit geschenkt bekommen.

Was wäre für Sie ein konstruktiver Beitrag bzw. konstruktiver Ansatz in Bezug auf eine Bewusstseinsbildung, die in Richtung Gesundung unserer Gesellschaft beitragen könnte?
Entscheidend ist in der Bewusstseinsbildung, dass sich jeder Einzelne als Teil der Gesellschaft fühlen kann, sich angenommen fühlt und seinen Beitrag für ein zufriedenes Miteinander leisten will.

Vielen Dank Professor Marksteiner für ihre Zeit, die sie den Menschen, die zu Ihnen kommen und Hilfe suchen, schenken, die sie aber auch uns am 23. Mai und jetzt mit diesem Interview trotz ihres vollen Terminkalenders geschenkt haben. Ihnen alles Gute und Gottes Segen für ihre Arbeit!

Mag. Angelika Lang