Beichte

Sakrament der Versöhnung

Sakramente sind sichtbare und hörbare Zeichen für das unsichtbare und liebevolle Wirken Gottes unter uns. In seiner Menschwerdung ist der unsichtbare Gott sichtbar, hörbar, greifbar in unsere menschliche Geschichte eingetreten. Christus ist also das Sakrament schlechthin. Und indem Christus Menschen zusammenführt und dadurch Kirche schafft, wird sein Wirken in dieser Welt fortgesetzt. Dieses „Kirche-Sein“ wird nun in den einzelnen Sakramenten konkret vollzogen – auch im Sakrament der Versöhnung, in dem wir die Barmherzigkeit Gottes ganz konkret erfahren dürfen.

Viele Gläubige fragen: Warum soll ich Gott meine Sünden bekennen, der sie ohnehin schon kennt? Und warum reicht es nicht, sich direkt mit dem Geschädigten (z.B. meinem Nachbarn) zu versöhnen? – In der Beichte informieren wir Gott nicht über unsere Sünden! Wir bekennen uns zu dem, was wir getan haben, das nicht der Liebe zu ihm und zu unseren Mitmenschen entsprach. Und weil wir es ausgerechnet Gott sagen, bekennen wir damit, dass wir – trotz unserer Sünden – zu ihm stehen, ihn lieben und ihm unser ganzes Leben neu anvertrauen. Eigentlich gilt das für jede Beziehung: Wer sagen kann „Ich habe dich nicht genug geliebt. Ich möchte dich noch stärker und konsequenter lieben!“, macht damit eine der schönsten Liebeserklärungen.

Das Sündenbekenntnis hat noch eine andere Funktion. Wer seine Sünden bekennt und ausspricht, der gibt sie ab. In einigen Therapien muss ein bestimmter Sachverhalt mehrfach ausgesprochen werden. In unausgesprochenen Konflikten oder verheimlichter Schuld schwelt ein Feuer, und erst, wenn das Problem angesprochen wird, löst sich der Knoten.

In Psalm 32 heißt es: „Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt und dessen Herz keine Falschheit kennt. Solang´ ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, den ganzen Tag musste ich stöhnen …; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben.“

Die Kirche lädt uns ein, das Sakrament der Versöhnung öfter zu empfangen. Dazu verpflichtet sind wir allerdings nur dann, wenn wir uns einer schweren Sünde bewusst sind. In diesem Fall sollen wir innerhalb eines Jahres, aber nach Möglichkeit, bevor wir wieder zur heiligen Kommunion gehen, das Sakrament der Versöhnung empfangen. Als schwer gilt eine Sünde, wenn sie (1.) eine „wichtige Sache betrifft, also im groben Kontrast zum christlichen Leben, steht, (2.) vom Gewissen klar als Sünde erkannt und (3.) trotzdem mit bedachter Zustimmung begangen wird.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, freut es mich sehr und ich gratuliere Ihnen! Denn damit haben Sie gezeigt, dass Ihnen das Sakrament der Beichte etwas bedeutet!

P. Janusz Turek